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Wir sind alle Blätter an einem Baum, keins dem andern ähnlich, 
das eine symmetrisch, das andere nicht, und doch alle gleich 
wichtig dem Ganzen. 
(Gotthold Ephraim Lessing)

Beratung & Assistenz

Preisverleihung für Buchprojekte

Ambulante Hilfe Wolfsburg: Preisverleihung für Buchprojekte zum Thema Wohnungslosigkeit für Schüler:innen der Carl-Hahn-Schule

Vor gut einem Jahr lud die Ambulante Hilfe die Carl‑Hahn‑Schule ein, mit einer Berufsschulklasse (BM252) einen Wettbewerb zur Gestaltung von Mini‑Büchern durchzuführen. In diesen erzählen die Schüler:innen fiktive, aber an realen Erfahrungen orientierte Geschichten von wohnungslosen Menschen in Wolfsburg. Ziel war es, vor allem junge Menschen über dieses schwierige Thema zu informieren und Vorurteile aufzubrechen. Das Gewinnerteam wurde am 30. Juni im Rathaus in Wolfsburg ausgezeichnet.

Wirtschaft und Wohnungslosigkeit — zwei Themen, die für die Schüler:innen der Carl‑Hahn‑Schule zunächst einmal gänzlich konträr erscheinen, wurden zum Unterrichtsthema. Die jungen Menschen der Klasse BM252 nahmen die Herausforderung an und arbeiteten sich intensiv ein. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Wohnungslosigkeit reichte von der Analyse gängiger Mythen bis zu historischen und biografischen Quellen. Für viele Teilnehmende war es eine erste Erkenntnis, dass Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit nicht dasselbe sind — und dass die Ursachen oft struktureller Natur sind.

Zitat aus den Projektportfolios: „Mir war bekannt, dass es in Wolfsburg obdachlose Menschen gibt. Durch den Unterricht ist mir erst klar geworden, wie viele Menschen obdachlos sind. Auch wusste ich von Gründen wie Alkohol, der beispielsweise zu Obdachlosigkeit führt. Was dahintersteckt, der Auslöser für den Alkoholkonsum beispielsweise, habe ich nie hinterfragt. Ich weiß nur, dass es Hilfsangebote gibt, bei denen Menschen Lebensmittel oder Essen bekommen. Wo die Menschen im Winter schlafen, ihre Klamotten herbekommen, duschen und auf die Toilette gehen, habe ich nie hinterfragt.“ — so Schülerin Marie B.

Zeitgeschichtliche Einordnung und Interviews

Für die Vertiefung des Projekts konnte das IZS Wolfsburg — Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation — gewonnen werden. Aleksandar Nedelkovski, Leiter der Geschichtswerkstatt, machte darauf aufmerksam, wie wenig Quellen zu dieser Personengruppe im Stadtarchiv vorhanden sind. Er führte im Herbst Interviews mit vier freiwilligen Wolfsburger:innen, die offen über ihre schwierigen Zeiten in der Wohnungslosigkeit und ihre Schritte zurück in eine sichere Lebenssituation berichteten. Diese Audioaufnahmen standen allen Projektgruppen zur Verfügung und ermöglichten tiefe Einblicke in individuelle Lebensgeschichten sowie in die Arbeit der Ambulanten Hilfe Wolfsburg und des benachbarten Tagestreffs „Carpe Diem“ der DWB.

„Ein echter Wendepunkt für mich war, als ich an Gesprächen mit Betroffenen teilgenommen habe. In diesem Moment wurde mir klar, dass hinter jeder Statistik ein echter Mensch mit einer Geschichte steckt. Das hat meine Motivation, das Projekt richtig gut zu machen, enorm gesteigert.“ — so Schülerin Vivien F.

Die Jury, die Ergebnisse und die Preisverleihung

Sechzehn Schüler:innen arbeiteten in vier Gruppen und entwickelten je eine Geschichte, die sie detailreich illustrierten. Die Jury, bestehend aus den Interviewten sowie den DWB‑Kolleg:innen Katharina Mai, Yordanos Siebert und Astrid Sander von der Ambulanten Hilfe, hatte die schwierige Aufgabe, das überzeugendste Projekt auszuwählen. Alle vier Gruppen präsentierten herausragende Arbeiten — eine Entscheidung, die dem hohen Engagement und der Sensibilität der Teilnehmenden Rechnung trug.

Gewonnen hat das Buch „CARL und sein Leben in der Obdachlosigkeit“. Das Buch wurde gedruckt und den Schüler:innen im Zuge der Preisverleihung überreicht. Des Weiteren ist das Buch auch in der Ambulanten Hilfe Wolfsburg vorrätig. Am Tag der Preisverleihung wurden die Schüler:innen der Carl‑Hahn‑Schule und ihre betreuende Lehrerin Frau Bünz für ihr beeindruckendes Projekt gewürdigt. „Gemeinsam mit der Diakonischen Gesellschaft Wohnen und Beraten sind bewegende Geschichten entstanden, die den Menschen hinter dem Schicksal ein Gesicht geben. Mich beeindruckt besonders, mit wie viel Empathie, Offenheit und Engagement sich die Jugendlichen diesem anspruchsvollen Thema gewidmet haben. Die entstandenen Geschichten regen zum Nachdenken an und zeigen, wie wichtig Mitgefühl und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind“, so Wolfsburgs Bürgermeister Dennis Weilmann bei der Preisverleihung.

Auch DWB‑Geschäftsführer Michael Bahn dankte den Wolfsburger Kolleginnen und Kollegen, der Stadt, der Schule und vor allem den Schüler:innen für diese wichtige Kooperation. Das Projekt und die entstandenen Geschichten gäben den Menschen ohne Zuhause eine wichtige Stimme. Es sei wichtig, dass Stadt und Stadtgesellschaft gemeinsam mit sozialen Einrichtungen nach Lösungen suchten. Bahn betonte zudem: „Die Bürgerhalle im Rathaus ist ein ganz besonderer Platz für diese Preisverleihung. Wir sind hier mitten im Herzen der Stadt, mitten im Leben — dies versinnbildlicht, dass Wohnungslosigkeit kein Randthema ist und sein darf. Durch die Geschichten der Schüler:innen wird deutlich: Wohnungslosigkeit hat viele Gesichter und Ursachen. Es gibt allein in Wolfsburg 100 Personen, die der Diakonischen Gesellschaft Wohnen und Beraten und den Teams der Ambulanten Hilfe und des Tagestreffs ‚Carpe Diem‘ bekannt sind — Tendenz steigend, und das selbst in einer so wohlhabenden Stadt wie Wolfsburg. Ich hoffe, das Projekt hat vor allem eins gezeigt: Niemand ist weniger wert, nur weil er oder sie kein Zuhause hat.“

Besonders schön: Der Tag der Preisverleihung fiel auf den Geburtstag des Schulnamensgebers Carl Hahn. „Das Projekt hat gezeigt, wie gut sich Bildung und soziale Arbeit verbinden lassen. Auch wenn Carl Hahn selbst dieses Projekt nicht mehr miterleben konnte, so wäre er stolz, dass die Schüler:innen sich seines Vorbildes angenommen haben“, so Lehrerin Bünz in ihrer Rede zur Preisverleihung.

Große Gruppe von Teilnehmenden steht in einer hellen Eingangshalle, viele halten Bücher/Urkunden; im Hintergrund Wanddisplay und Balkon.

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